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Stationäre Behandlung in der Uni-Klinik, Bonn (Chirurgische Station) – aus der Sicht einer Besucherin

Mein Mann wurde im März diesen Jahres eine Woche stationär im o.g. Krankenhaus behandelt. Er wurde an der Karotis (Halsschlagader rechts) operiert, da diese zu 90 % zu war. Im Dezember letzten Jahres war er ebenfalls in der Uni-Klinik Bonn. Damals wurde er an der linken Halsschlagader operiert. Zwischen den beiden stationären Behandlungen fand eine ambulante Nachuntersuchung statt. Für die Nachuntersuchung war ein fester Termin vorgegeben. Die Wartezeit betrug 3 Stunden. Als ich mich erkundigte, weshalb wir so lange warten mussten, wurde mir gesagt, dass einige Mitarbeiter/innen krank sind. Ich machte den Vorschlag, dass man dann vielleicht die Patienten anrufen sollte, um einen neuen Termin auszumachen. Ich bekam von der Schwester oder Arzthelferin die Antwort, ob sie die Leute auch noch anrufen solle, außerdem wäre die Situation an anderen Tagen auch nicht besser. ( Für Terminverlegungen braucht man sicher keine Ausbildung – höchstens 2 Minuten ). Während der Wartezeit habe ich andere Wartende angesprochen und festgestellt, dass mehrere Termine für die gleiche Uhrzeit vergeben waren, obwohl nur ein Arzt für den ambulanten Bereich im Einsatz war. Dieser Arzt betreute ebenfalls die Patienten, die sich stationär auf seiner Station befanden. Während der Wartezeit wurde er mehrmals auf die Station gerufen.

Während der stationären Behandlung von 7 Tagen war mein Mann auf 3 Stationen – Chirurgie, Innere und Kardiologie – Begründung – keine Betten frei. Ihm wurde ein Blasenkatheder gelegt. Einen Tag nach der Operation war mein Mann wieder mobil und klar. Trotz diverser Nachfragen wurde der Katheder erst nach 4 Tagen entfernt. Ich habe mich gefragt, welche Gründe es dafür gibt – Pflegeaufwand geringer. Der Beutel des Katheders ist in kürzerer Zeit zu wechseln, als einen Patienten vom Bett zur Toilette und zurück zu begleiten.

Was ich in den sieben Tagen gesehen und erlebt habe, hat mich entsetzt und schockiert. Der Zimmernachbar von meinen Mann (85 Jahre) ist in 2 Tagen 5 x aus seinen Bett gefallen. Mein Mann hat ständig den roten Knopf für das Pflegepersonal betätigt. Der Mann war selber dazu nicht in der Lage. Einen Sturz konnte ich verhindern, indem ich den älteren Herrn ins Bett zurück drückte. Dieser ältere Herr bekam sein Essen hingestellt. Er versuchte zu essen, wobei diverse Schläuche dies unmöglich machten. Nach einiger Zeit wurde das Essen mit dem Kommentar – haben Sie keinen Hunger - wieder abgeholt. Wenn ich nach wenigen Sätzen wusste, dass dieser Mann verwirrt war, sollte man meinen, dass geschultes Pflegepersonal dies auch registriert und entsprechend reagiert, d.h. zum Beispiel füttern. Eine Schwesternschülerin ist mit solchen Einschätzungen sicher überfordert. Ich vermute, dass kein Informationsaustausch zwischen der Früh-, der Tages- und der Nachtschicht des Pflegepersonals stattfindet –aus Zeitmangel.

Bei einen Gespräch mit einer Krankenschwester (seit 30 Jahren in dem Beruf tätig) erfuhr ich, dass die Stationen personell ständig unterbesetzt sind. Es wäre unverantwortlich, dass eine Nachtschwester 40 Patienten betreut – frisch Operierte, Demenzkranke etc. Nach Ihren Wünschen gefragt, nannte sie an erster Stelle – mehr Anerkennung in der Gesellschaft. An zweiter Stelle – Aufstockung des Pflegepersonals im Krankenhaus. Drittens – bessere Bezahlung.

Wir vertrauen unseren Krankenhäuser an, was uns lieb und teuer ist – Kinder, Geschwister, Mann, Frau, Eltern oder Großeltern, wenn man denn Angehörige hat. Wahrscheinlich ist man als Kassenpatient im 2 oder 3-Bett-Zimmer besser dran, als im 1-Bett-Zimmer. Im 2- oder 3-Bett-Zimmer kann man auf die Hilfe von Mitpatienten hoffen. Im Einzelzimmer ist man auf das unterbesetzte Pflegepersonal angewiesen. Ob gesetzlich oder privat krankenversichert ist uninteressant, wenn durch die personelle Unterbesetzung des Pflegepersonals im Krankenhaus die stationäre Versorgung nicht gewährleistet ist. Personelle Engpässe können sicher immer hin und wieder mal auftreten. Sind sie ein Dauerzustand, fördert das sicher nicht die Arbeitsmoral der Mitarbeiter/innen. Die Mitarbeiter/innen werden häufiger krank, weil sie ständig überfordert werden. Für die Organisation fühlte sich niemand wirklich zuständig. Im Krankenhaus geht es um uns – um Menschen – die krank sind, die aufgeregt sind, die Angst vor einer Operation haben, die für ein freundliches Wort und etwas Anteilnahme dankbar sind, die sich nicht verständigen können.

Wir leben in einem Industrieland und nicht in einem Entwicklungsland. Für die stationäre Behandlung trifft das nach meinen jetzigen Erfahrungen nicht zu.

Ingrid Grabandt-Lahr