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Rentner bekommen kein Krankengeld, zahlen aber volle Krankenkassenbeiträge

Ein Versichertenberater der BARMER GEK VV hat an uns die Frage gestellt, warum eigentlich Rentner den vollen Beitragssatz zahlen, obwohl sie keinen Anspruch auf Krankengeld haben. Die Frage: Ist das gerecht? Darüber kann man streiten, aber letztlich hängt die Antwort davon ab, was man unter gerecht versteht.

Bei der Versicherung des Krankheitsrisikos gibt es zwei grundverschiedene Ansätze. Die private Krankenversicherung funktioniert nach dem Prinzip der Leistungsgerechtigkeit, d. h. die über das ganze Leben gezahlten Versicherungsprämien sollen exakt die über das ganze Leben in Anspruch genommenen Leistungen finanzieren. Deshalb werden Altersrückstellungen gebildet, also in jungen Jahren zahlt man mehr Prämien als man Ausgaben verursacht, im Alter hingegen weniger. Das nennt man das Äquivalenzprinzip, weil im Grundsatz die Ausgaben die Einnahmen decken. Ob das in der Realität wirklich erreicht wird, ist eine ganz andere Frage, aber so ist das Prinzip.

Die Gesetzliche Krankenversicherung funktioniert anders: Die Beitragseinnahmen eines Jahres decken die Leistungsausgaben des Jahres. Das verwirklicht ein anderes Gerechtigkeitsprinzip, nämlich das Solidarprinzip, was nicht nur eine Umverteilung zwischen Gesunden und Kranken (das leistet die PKV auch) kennt, sondern auch zwischen Alten und Jungen, Einkommensstarken und Einkommensschwachen und zwischen Menschen mit und ohne Kinder. Es stellt eben gerade nicht einen individuellen Zusammenhang zwischen Ausgaben und Einnahmen einer Altersgruppe her. Wollte man das tun, würden die Beiträge der Rentner enorm steigen, weil altersbedingt die Ausgaben der Krankenkassen für diese Gruppe steigen. Würde man auf den vollen Beitragssatz bei Rentnern verzichten, aber die Leistungsausgaben unverändert lassen, müssten die Beitrage der Erwerbstätigen erhöht werden, denn irgendwo her muss das Geld kommen.

Also: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht logisch erscheint, dass Rentner für eine Leistung zahlen, die sie nie bekommen können, es entspricht der Logik des Solidarprinzips. Daran sollten wir nicht rütteln!

 

Presserechtlich verantwortlich:
Achmed Date, Vorsitzender der
BARMER GEK Versichertenvereinigung,
Ilennpool 1
21354 Bleckede

Text: Leonhard Hajen, BARMER GEK Versichertenvereinigung

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