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Erklärung des AKF e.V. zur Hormontherapie für Frauen in und nach den Wechseljahren

Anlass

Der AKF e.V. bezieht am 8. März, dem Weltfrauentag, Stellung zum Thema Hormontherapie für Frauen in und nach den Wechseljahren, weil es unter dem Slogan „Renaissance“ der Hormontherapie Bestrebungen verschiedener Meinungsführer und Verbände gibt, die postmenopausale Hormontherapie wieder als Präventions- und Life-style-Medikament zu proklamieren.

Um Fachleute und interessierte Frauen detailliert und sachlich über den aktuellen Stand der Hormontherapie zu informieren, hat der AKF e.V. ein Hintergrundpapier verfasst, welches dieser Erklärung beigefügt ist und auf der Homepage unter www.akf-info.de abrufbar ist.

Körperliche Veränderungen

Die entscheidende körperliche Veränderung in den Wechseljahren ist das Ende des Menstruationszyklus mit dem Auf und Ab der Hormone. Stattdessen stellt sich der Körper auf gleichmäßig niedrige Hormonkonzentrationen ein. Etwa 50-60% der Frauen in westlichen Ländern nehmen in den Wechseljahren Veränderungen in der Temperaturregulation wahr. Ihnen ist schneller warm, sie bekommen Hitzewallungen und manchmal auch Schweißausbrüche. Das kann ungewohnt und irritierend sein, ist aber für die meisten Frauen kein Grund für eine medikamentöse Behandlung. Es sind nur 10-20% aller Frauen, die so stark leiden, dass sie eine Hormontherapie benötigen. Sie können sich mit 80%iger Wahrscheinlichkeit darauf verlassen, dass die Hormone ihnen helfen.

Marketingstrategien

In den 1980er und 1990er Jahren wurde eine Marketingkampagne ohnegleichen für Hormone auf den Weg gebracht. Hormone sollten alle körperlichen Veränderungen in den Wechseljahren aufheben, und nicht nur das, sie sollten auch allen möglichen Krankheiten vorbeugen, z.B. Herzinfarkten, Morbus Alzheimer, u.a. bis hin zu dem Versprechen eines längeren Lebens. Jegliche körperliche Reaktion in dieser Lebensphase wurde den Hormonen zugeschrieben und immer mit dem gleichen Patentrezept behandelt: Hormontherapie. Dann wurden Hormone sogar allen Frauen empfohlen, auch denen, die gar keine Wechseljahrsbeschwerden hatten, nämlich zur Vorbeugung von Krankheiten. Schließlich sollten die Hormone bis ans Lebensende genommen werden, damit ihre „verjüngende“ Wirkung nicht wieder abnimmt und sich verliert. FrauenärztInnen wurden von Meinungsführern massiv unter Druck gesetzt: wenn sie Frauen keine Hormone geben, machen sie sich unterlassener Hilfeleistung schuldig. Es wurde von HRT (hormonereplacementtherapy) und Hormonsubstitution gesprochen. Damit wurde die sog. „Mangelhypothese“ aktiviert, also die Annahme, dass Frauen jenseits der Wechseljahre in einem Mangelzustand leben. Diese Vorstellung hat eine ganze Frauengeneration in Angst und Schrecken versetzt und sie damit manipulierbar gemacht für therapeutische Angebote.

Die WHI-Studie

Im Jahre 2002 wurde die WHI-Studie (Women‘s Health Initiative), die größte je durchgeführte randomisierte (d.h. die Zuteilung zur Behandlungs- und Kontrollgruppe erfolgt nach dem Zufallsprinzip) Studie zur Hormontherapie abgebrochen, weil sie nachweisen konnte, dass die Hormontherapie für die Gesundheit von Frauen mehr Nachteile als Vorteile hatte und ihre Fortsetzung ethisch nicht vertretbar war.

Die WHI?Studie beurteilt nicht die Wirksamkeit einer Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden, denn die ist erwiesen. Sie war initiiert worden, um zu prüfen, ob eine Hormontherapie Vorteile für die Gesundheit (speziell Herzgesundheit) hat, die Beobachtungsstudien bis dahin ergeben hatten. Aber das Gegenteil war der Fall: Frauen, die Hormone nahmen, hatten mehr Herzinfarkte, mehr Schlaganfälle, mehr Thrombosen, mehr Embolien, mehr Brustkrebs und weitere Krankheiten. Lediglich auf 2 Organsysteme wirkten sich die Hormone günstig aus. Sie reduzierten das Risiko für Knochenbrüche und Darmkrebs.

Diese Ergebnisse waren alarmierend und hatten große Auswirkungen. Der Anteil der Frauen, die in den Wechseljahren Hormone nehmen, sank von 40% im Jahre 2001 auf 20% im Jahre 2012. Frauen fanden langsam zu einem nüchternen Umgang mit den Wechseljahren zurück. Nur Beschwerden, die die Frauen subjektiv sehr beeinträchtigen, werden mit Hormonen behandelt. Ansonsten versuchen Frauen mit Lebensstilveränderungen, Selbstfürsorge oder auch einfach durch Abwarten diese Lebensphase zu akzeptieren.

Die Rolle rückwärts

Jetzt gibt es unter dem Slogan „Renaissance“ der Hormontherapie Bestrebungen verschiedener Meinungsführer und Verbände, die postmenopausale Hormontherapie wieder als Präventions? und Life-style-Medikament zu proklamieren. Sie berufen sich auf Studien, die von der Beweiskraft her den früheren Beobachtungsstudien entsprechen oder auf Teilauswertungen der WHI-Studie, die nicht auf alle Frauen übertragbar sind. Dabei sind nicht nur Interessensgeleitete Berufsverbände involviert, sondern auch Wissenschaftliche Fachgesellschaften, die es besser wissen müssten, weil sie im Jahre 2009 eine S3-Leitlinie herausgegeben und bestätigt haben, dass eine Hormontherapie geeignet ist zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden, aber nicht zur Vorbeugung von Krankheiten.

Forderung

Der AKF distanziert sich entschieden von den Bestrebungen der gynäkologischen Fachgesellschaften und des Berufsverbandes, die Hormontherapie wieder als Präventions- und Life-style-Medikament zu etablieren.

Der AKF e.V. fordert von den Fachgesellschaften eine Kurskorrektur, denn von ihrer Positionierung zur Hormontherapie hängt auch ihre Glaubwürdigkeit für Frauen, für die Presse und für die Gynäkologinnen in Klinik und Praxis ab.

Denn die Ära der „Hormonsubstitution“ vor der WHI-Studie mag noch durch die Hoffnung auf einen Nutzen für die Frauen entschuldbar sein. Eine „Renaissance“ wider besseres Wissen ist bewusster Betrug an den Frauen!