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Am Ende wird der Rollstuhl genehmigt

Selbstverwaltung Sozialwahl

"Sie dürfen sich mit dem Klein-Klein im Versicherungsalltag beschäftigen" so höhnt ein Journalist über die Arbeit der Selbstverwaltung und bedient damit das Klischee, die Selbstverwaltung der Krankenkassen sei überflüssig, weil sie eh nichts zu sagen hat.

Was aber,wenn man die zitierte Aussage aus einer anderen Perspektive betrachtet: Nämlich aus der Perspektive eines Privatversicherten, der mit der schriftlichen Ablehnung einer Leistung in der Hand (für die er im Übrigen bereits in Vorleistung getreten ist), vielleicht auf ein Stück Holz beißen kann, ändern können wird er es nicht.

Gesetzlich Versicherte können Widerspruch einlegen und darauf vertrauen, dass- von ihnen legitimierte, weil gewählte - Versicherte der gleichen Kasse sich noch einmal damit beschäftigen und die Leistung doch bewilligen.

Glamourös ist dieses Geschäft nicht. Es klicken keine Kameras, wenn man aus dem Sitzungssaal kommt, kein Mikrofonwald hält sie auf, wenn sich Mitglieder aus Widerspruchsausschüssen auf den Heimweg machen. Sie treffen sich 12 Mal im Jahr und prüfen ca. 10.000 Einsprüche auf die Möglichkeit durch, zugunsten der Versicherten zu entscheiden. "Klein-Klein im Versicherungsalltag". Genau. Demokratie beginnt da lebendig zu werden, wo sie zugleich anstrengend wird.

Das mag für die Presse wenig Aufregendes bieten. Für die Versicherten kann es umso wichtiger sein, weil es am Ende im Ergebnis heißt: Der Rollstuhl wird doch genehmigt.

Autor und ©: Ute Engelmann